| Programm ars cantandi |
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ars cantandi |
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| In der Geschichte der Vokalmusik – in der Italien wie so häufig in der Musikhistorie eine tragende Rolle spielt – wird die enge Verknüpfung mit dem Wort Gottes augenfällig. Von frühgeschichtlichen Gesängen über die einstimmige Gregorianik des Mittelalters bis hin zur Entstehung der liturgischen Mehrstimmigkeit, aus der wiederum im 16. Jahrhundert die Instrumentalmusik hervorging, verbindet sich der Begriff mit geistlicher Musik. | ||
Dies ändert sich in der Renaissance.
In der Zeit von 1430 bis 1600 rücken in der Musik wesentliche Bestandteile
renaissancehaften Denkens in den Mittelpunkt: die humanistische Ausrichtung
am Wort, das klassizistische Ideal von Ausgeglichenheit und Klarheit,
die Vorstellung einer zweckfreien Musikausübung und die Rückbesinnung
auf die Antike. Die musikgeschichtlich so wichtigen Gattungen Oper und
Oratorium entstehen, die eine geschlossene dramatische Handlung mit gesanglichen
Mitteln darstellen. Die parallel erstarkende Mehrstimmigkeit in Vokal-
wie Instrumentalmusik beunruhigten die Behörde zur Verbesserung
der Kirchenmusik so sehr, dass sie sich im Rahmen des Konzils von Trient
(1545-1563) mit der Frage beschäftigte, ob die polyphone Musik der
kirchlichen Erbauung förderlich oder nachteilig und in letzterem
Fall aus der Kirche zu verbannen sei. Giovanni Pierluigi da Palestrina,
der zur Erneuerung der Kirchenmusik als fähigster Komponist gehandelt
wurde, erhielt hernach den Auftrag drei Messen zu komponieren, welche
als Entscheidungsgrundlage dienten. Dank seiner kunstvollsten Stimmenverflechtung
waren die Hauptbedingungen einer wirkungsvollen Vokalmusik, Deutlichkeit
der Melodie und Verständlichkeit der Textesworte, vollständig
erfüllt. Er hatte einen eigentümlichen Stil geschaffen, der
später unter dem Namen „Palestrina-Stil“ – als
hohe Stufe kontrapunktischer Satzkunst – mustergültig wurde.
Claudio Monteverdi, für den besonders das Madrigal und die Oper
zum Experimentierfeld einer neuen musikalischen Sprache wurde, sowie
Alessandro Scarlatti, dessen Werk die stilistischen Entwicklungen des
italienischen Barock besonders im musikdramatischen Bereich geprägt
hat und dessen Sohn Domenico Scarlatti, der heute vor allem wegen der
als Schul- und Unterrichtsstücke entstandenen Cembalosonaten zu
den Meistern der Klavierkomposition zählt, orientierten sich in
ihrem vokal geprägten liturgischen Schaffen an Palestrinas Stil.
Auch der italienische Fürstkomponist Carlo Gesualdo di Venosa richtete
sich nach den Maßgaben dieser italienischen Kompositionskunst.
Er hatte Sinn für Kontraste, die er durch plötzliche rhythmische
Gegensätze, unvorbereitete Dissonanzen, unerwartete große
Sprünge, Klangfarbenwechsel und intensive Chromatik erzielte. Tragischerweise
ist sein Name jedoch eher durch den Mord an seiner Ehefrau, die er mit
ihrem Geliebten in flagranti überraschte, bekannt, denn durch sein
musikalisches Schaffen. |
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| Beginnen die italienischen Komponisten der Renaissance, neben der häufig durch die Bindung an den kirchlichen Dienstherren bedingten Komposition von liturgischen Werken, eine Auseinandersetzung mit der Vertonung weltlicher Dramen, so ist Italien Jahrhunderte später fest in der Hand der Oper. Als stilgeschichtliche Epoche ist die ,Romantik' im Gegensatz zur Renaissance nicht eindeutig eingrenzbar. Allgemein wird die Musik zwischen 1820 und 1910 jedoch romantisch genannt. Hier wurden ein extrem subjektivistisches Ausdrucksbedürfnis gefordert, sowie die Entgrenzung des Subjekts, eine märchenhafte Weltsicht, naturbezogene Idyllik und Originalität der Werke, die sich an historisierende Tendenzen binden sollten. Bestimmend sind besonders die Vorliebe zu kleinen Formen auf der einen und pathetischer Theatralik mit ihrer Ausuferung der Mittel auf der anderen Seite. Dem Nationalen wird mit Betonung des Künstlers eine besondere Bedeutung beigemessen. Höhepunkte sind die Ernennung des Gesamtkunstwerkes durch Richard Wagner, die französische Oper und Giuseppe Verdis Schaffen. Sein Werk ist geprägt von einer charakteristischen, gefühlsstarken Melodielinie und einem damit verbundenen, jedem dramatischen Moment angepassten, deklamatorischen Gesangsstil, der sich auch in seinen liturgischen Werken wieder findet. Giovanni Battista Pergolesis Kompositionen weisen eine für die italienische Kirchenmusik seiner Zeit typische Verbindung von kontrapunktischer Satzweise in den Chören und opernhafter Melodik in den Solopassagen auf. Diese Neigung, liturgische Texte so zu vertonen, als handele es sich um Opernlibretti geistlichen Inhalts war eine weit verbreitete Erscheinung, die auch in den – für ihren Witz bekannten – Werken Gioachino Rossinis wieder zu erkennen ist. Zu den berühmtesten Werken nach seiner Zeit als Opernkomponist zählen Rossinis „Stabat mater“ und die „Petite Messe Solennelle“. Gregorio Allegri war italienischer Priester, Komponist und Tenorsänger. Seine wohl berühmteste Komposition, das neunstimmige „Miserere“ wurde bis 1870 jedes Jahr in der Karwoche in der Sixtinischen Kapelle aufgeführt und durfte nicht kopiert werden. Wolfgang Amadeus Mozart hörte das Musikstück 1770 dort und schrieb es später aus dem Gedächtnis nieder. | ||
| Nicht nur hier dürfen wir dankbar sein für die Überlieferung von Werken, die uns am heutigen Abend ein lebendiges Stück Musikgeschichte näher bringen. Das Vocalensemble ars cantandi führt Sie anhand liturgischer Kompositionen durch Renaissance und Romantik in Italien und Sie werden sowohl Palestrinas atemberaubenden Stimmverflechtungen hören sowie hier und dort einen theatralen Operklang erhaschen können. | ||
Di 11.9.
| 20 Uhr |
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| © MediaWerkstatt - Christian Wellenberg |